Stadt Stühlingen

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Stadtentwicklung: Mauer, Markt und Magistrat

Hoch über dem Wutachtal, auf einem Bergsporn gelegen, erhebt sich der nach habsburgischem Muster angelegte befestigte Ort (ovaler Grundriss, Mauer mit zwei Stadttoren).

Stühlingen um 1950
Stühlingen um 1950

Stadtmauer und Grabenbereich sind heute noch in Resten vorhanden, die Stadttore freilich sind verschwunden: 1828 stürzte das Untere oder Niedere Tor im Zusammenhang mit dem Brand des Gasthauses „Zum Schwarzen Adler“ ein, 1846 wurde das Obere Tor abgebrochen. Turmuhr und Glocke mit der Jahreszahl 1524 und den Namen des Grafen Sigismund von Hohenlupfen und seiner Gemahlin kamen fortan ins Rathaus. Als dieses 1904 abbrannte wurde beides zerstört.

Der Markt als weiteres prägendes Element der Stadt hat sein Gesicht verändert: Zwar gibt es noch immer den alten Marktplatz mit Brunnen vor dem mit Staffelgiebel versehenen Rathaus, umgeben von einem eng bebauten spätmittelalterlichen bzw. barocken Gebäudebestand an einer mittigen Hauptstraße („Mittlere Gasse“, heute Schlossstraße) und zwei davon abzweigenden parallelen Seitenstraßen („Gerberstraße“, früher Judengasse sowie „Herrengasse“), die beide auf den Marktplatz münden. – Der ehemalige Name „Judengasse“ erinnert daran, dass die Stühlinger Juden vom frühen 17. bis Mitte des 18. Jh. eine der bedeutendsten Judengemeinden in Südbaden bildeten. Der wohl bekannteste der hier geborenen Juden war Natanael Weil (1687-1769), der spätere badische Oberrabiner.

Sozialtopographisch interessant ist, dass früher an der Südseite zumeist die einfacheren Handwerkerhäuser standen (z.B. die der Gerber und Färber), an der Nordseite hingegen die vornehmeren Häuser reicher Bürger (so z.B. das Haus der Familie Balbach mit dem dahinter nördlich der Mauer gelegen großen Garten; Flurname noch heute: „Balbachscher Garten“).

Die Zahl der Jahrmärkte hat stark abgenommen: gab es Mitte des 19.Jh. noch mehr als ein Dutzend Krämer- und Viehmärkte pro Jahr, so existieren heute nur noch Martini- und Weihnachtsmarkt. Der 1856 eingeführte wöchentliche „Frucht- und Viktualienmarkt“ bestand nur für kurze Zeit. Und der heutige Wochenmarkt mit neuem Standort in der Unterstadt kann mit seinen nur wenigen Ständen eigentlich kaum noch als Markt bezeichnet werden. Dafür haben sich jedoch neue Formen des Handels entwickelt, wie an anderer Stelle noch zu zeigen sein wird.

Der Magistrat, von den Bürgern frei gewählt, trug lange Zeit der besonderen Situation der Stadt Stühlingen Rechnung: der Aufteilung in „Städtle“ (auf terrassiertem Gelände unterhalb der Burg gelegen) und dem „Dorf“ auf der Talsohle. Oben im „Städtle“ lebten und arbeiteten damals in eng aneinander stehenden Häusern die in Zünften gegliederten Handwerker und Kaufleute (Landwirtschaft wurde hier in der Regel, wenn überhaupt, nur für den Eigenbedarf betrieben). Unten im „Dorf“ hingegen wohnten zumeist die Bauern in ihren einzeln stehenden Höfen. Hier stand auch die alte Pfarrkirche, die 1787 durch einen Neubau, die heutige Kirche „Heilig Kreuz“, ersetzt wurde.

Um den Bewohnern von „oben“ und „unten“ gerecht zu werden, bestand die Stadtverwaltung ab 1633 außer dem Schultheißen, als dem Vollzugsbeamten des Grafen, aus zwei Bürgermeistern und den Ratsherren, wobei strikt darauf geachtet wurde, dass immer einer aus dem „Städtle“ und einer aus dem „Dorf“ kam. Diese Gepflogenheit wurde beibehalten bis 1806, als Stühlingen staatsrechtlich zum Großherzogtum Baden kam. Danach gab es nur noch einen Bürgermeister, was vom zunehmend gelingenden Zusammenwachsen von „Städtle“ und „Dorf“ zeugt. Beweis hierfür ist auch, dass die Schule 1836 (die Fürstenberger hatten schon 1746 die Schulpflicht eingeführt!, noch bevor 1783 die Leibeigenschaft aufgehoben wurde!) in der Mitte zwischen „Städtle“ und „Dorf“ gebaut wurde. Sie verblieb dort bis 1966, als im Tal ein Schulneubau entstand (GHS, ab 1972 GHS+RS), der 1997 um ein eigenes Realschulgebäude erweitert wurde.

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Im Jahre 1262 wird Stühlingen in einer Urkunde von Graf Eberhard I. von Lupfen erstmalig als Stadt erwähnt.

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